Mit der geballten kreativen Energie junger Menschen aus ganz Deutschland ist das Festival der Taten von Engagement Global in die erste Runde gestartet. Im Mittelpunkt standen die 17 Ziele. Herausgekommen sind unkonventionelle Lösungen.

Icon Ziel 4 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Hochwertige Bildung
Icon Ziel 11 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Nachhaltige Städte und Gemeinden
Icon Ziel 13 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Maßnahmen zum Klimaschutz
Icon Ziel 17 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Text: Katharina Finke

In 30 Teams wurden unter Anleitung vorher ausgebildeter Teamerinnen und Teamer Projektideen zu den Nachhaltigkeitszielen umgesetzt

Vier große Darrschlote ragen im Süden Berlins in den Himmel. Sie gehören zur Malzfabrik in Berlin-Tempelhof. Früher dienten die drehbaren Hauben dazu, die in der Mälzerei hergestellten Bierzutaten zu trocknen. Inzwischen steht die Landmarke der Hauptstadt unter Denkmalschutz und ist ein Ort für Kreativität.

Genau deswegen hat ihn Engagement Global für das Festival der Taten ausgesucht: ein intensiver Ideen-Workshop, bei dem an zwei Tagen innovative Ideen und konkrete Lösungsansätze für die Umsetzung der 17 Ziele im Alltag gebraut wurden.

Tag 1 - Festival der Taten von Engagement Global

Im kühlen Maschinenraum in einem der alten Backsteinbauten versammeln sich an diesem heißen Tag im Mai 2019 die aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmenden. „Schaut euch um und ihr werdet einen großen Raum voller Potenzial sehen“, begrüßt Christian Mäntele, Leiter des Projekts #17Ziele, die Zukunftsgestalter.

Damit sich alle besser kennenlernen, werden sie aufgefordert, mit gesenktem Blick durch den schwarz-weiß gefliesten Raum zu schlendern und „sich ein engagiertes Paar Schuhe“ zu suchen. Auf ein Signal bleibt jeder vor einem Gegenüber stehen, die beiden stellen sich vor und erzählen, warum sie teilnehmen. „Ich interessiere mich für Nachhaltigkeit“, „Ich wollte gerne Gleichgesinnte kennenlernen“ und „Ich habe Lust, etwas zu verändern“ sind einige der Aussagen.

Je nachdem, welches der globalen Nachhaltigkeitsziele die Visionäre besonders interessiert, können sie sich dann einer der 30 Gruppen anschließen. Und schon bald sind alle mitten im Design-Thinking-Prozess, einer Methode, wonach sich neue Ideen besser entwickeln lassen, wenn gemeinsam Konzepte ausgearbeitet und mehrfach überprüft werden.

In der Auseinandersetzung mit Themen, die sie bewegen, lernen die Anwesenden gleichzeitig, scheinbar lose Ideen zu konkretisieren, zu visualisieren und andere dafür zu gewinnen.

Mit kreativen Design-Thinking-Methoden entwickelten die Teilnehmer viele spannende Ideen

Auf dem gesamten Gelände, vom Keller bis zum Speicher, draußen auf der Wiese und der Terrasse haben sich die Teams verteilt. Gedanken werden gesammelt, Ideen skizziert, Wände, Böden, Tische, Flip-Boards und Säulen mit Entwürfen beklebt.

Ein inspirierter, kreativer und konzentrierter Austausch. Genau dies sei auch das Ziel des Festivals der Taten, erklärt Dr. Jens Kreuter, Geschäftsführer von Engagement Global. „Wir möchten jungen Menschen ganz konkrete Werkzeuge an die Hand geben, Impulse schaffen, den Austausch mit Gleichgesinnten ermöglichen und aufzeigen, wie sich die 17 Ziele durch Aktionen und Projekte hier in Deutschland umsetzen lassen“, sagt er.

Alte Backsteinbauten und feinstes Wetter – die Malzfabrik in Berlin ist ein echt inspirierender Ort

Jeder zwischen 18 und 35 Jahren konnte sich bewerben. Herausgekommen ist eine bunte Mischung unterschiedlicher Persönlichkeiten, die sich gegenseitig inspirieren.

Tag 2 - Festival der Taten von Engagement Global

Am zweiten Tag hätte man Erschöpfung erwarten können, doch das Gegenteil ist der Fall. Schwer zu sagen, ob die Engagierten aufgeregter sind, ihre eigenen Ideen zu pitchen oder die der anderen Gruppen kennenzulernen.

Der Tag startet mit der Vorbereitung der Präsentationen. Annalena Stockhoff (22), die in Duisburg nachhaltige Sozialpolitik studiert, ist mit ihrem fünf Monate alten Sohn hier: „Mir ist es wichtig, nachhaltigen Konsum vorzuleben“, sagt sie, „mir gefällt der Austausch beim Festival der Taten sehr gut und ich bin gespannt auf die Ergebnisse.“

Und schon geht es los: Jedes Team hat wenige Minuten, um seine Idee zu einem der 17 Ziele vorzustellen. Nach den Präsentationen wird bewertet; jeder Teilnehmer kann dabei fünf Punkte vergeben. Die Gruppen mit den meisten Punkten dürfen dann später draußen auf der Festivalbühne ihre Idee noch einmal vorstellen.

Die Lösungsansätze reichen von einer No-Poverty-Messe (Ziel 1) über ein neues Schulfach Zukunft (Ziel 4) bis zu einem kooperativen Bestellsystem im Unverpackt-Laden in der Mehrweg-Box (Ziel 12). So unterschiedlich die Ideen, so unterschiedlich sind auch die Darstellungsformen, sei es ein eigens angefertigtes Video, ein selbst konzipiertes Schauspiel oder die spontane Nachrichtenschalte oder ein Prototyp aus Karton – so wie die Gruppe des Kiezmobils, einem Treffpunkt für Jung und Alt, der dem nachbarschaftlichen Miteinander dient. Hauptanliegen des Beitrags zu nachhaltiger Stadtentwicklung (Ziel 11): den Kiez grüner machen und für Kinder einen autofreien Raum zum Spielen schaffen.

Das Publikum kann während der Präsentationen Kommentare abgeben, die live auf einer Leinwand an der Bühne zu sehen sind. „Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt“, sagt Tobias Müller (28) aus Bamberg, dem es wichtig ist, Nachhaltigkeit in seinen Alltag zu integrieren, „aber ich bin positiv überrascht über die tollen Ideen beim Festival.“ Besonders begeistert sind viele von der Idee, Berater auf Bauernhöfe zu schicken, um den Landwirten vor Ort zu helfen, ihre Produktionsbedingungen ökologisch zu gestalten.

Aber was passiert eigentlich nach zwei Tagen voller Engagement mit den Visionen? „Wichtig für uns war, dass jeder und jede mit einer konkreten Idee aus dem Festival kommt, die er oder sie morgen umsetzen möchte“, sagt Dr. Kreuter von Engagement Global, „wir hoffen, dass sie daran weiterarbeiten und sich weiter vernetzen.“ Dazu dient ihnen eine spezielle Online-Community. Arani Ganeshalingam (21) von der Hochschule Osnabrück ist ganz sicher: „Wir haben in kurzer Zeit viel geschafft und dieser Input ist sehr wertvoll für mich“, sagt sie und hat vor, die Ideen in die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit an ihrer Hochschule zu tragen und dort weiterzuentwickeln.

Und das ist nicht der einzige Lichtblick für die Zukunft: Das zweite Festival der Taten ist bereits in Planung – mit einem lokalen Bezug, mit Zukunftsgestaltern aus der Region und wieder getreu dem Motto: Tu Du’s.

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Bilder: ©© Engagement Global/Frederik Schramm