Ärzte ohne Grenzen im Einsatz gegen Müttersterblichkeit – Täglich sterben weltweit 800 Frauen während Schwangerschaft und Geburt. Ärzte ohne Grenzen will dazu beitragen, dies zu verhindern – auch mit neuen Ansätzen

Ein Beitrag von Ärzte ohne Grenzen

Kämpfe und Konflikte prägen vielerorts das Leben in der Demokratischen Republik Kongo – so wie in der Gegend um Masisi. „Viele schwangere Frauen machen sich hier spät auf den Weg ins Krankenhaus“, berichtet die Hebamme Stefanie Hofstetter von Ärzte ohne Grenzen. „Sie haben Angst und wollen sich so wenig wie möglich auf den Straßen aufhalten. Auch Vorsorgeuntersuchungen kommen deshalb zu kurz“, so Hofstetter, die zehn Monate vor Ort arbeitete. Zur schwierigen Sicherheitslage kommt hinzu, dass es in der Gegend ohnehin zu wenig medizinische Einrichtungen gibt. Dies macht die Wege für schwangere Frauen oft weit, manche sind mehrere Tage unterwegs, bis sie ein Krankenhaus erreichen.

In Masisi betreibt Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus. Doch dies allein reichte nicht aus. Das Team errichtete direkt neben der Klinik ein Willkommensdorf für schwangere Frauen. In mehreren Holzhütten dürfen Frauen, die bereits in wenigen Wochen entbinden werden und bei denen Risiken wie Mehrlingsgeburten oder Bluthochdruck hinzukommen, bis zur Geburt bleiben. So stellt das Team sicher, dass diese Frauen stets medizinisch überwacht werden und im Notfall umgehend Hilfe bekommen – eine wichtige Ergänzung zur Arbeit im Krankenhaus.

Hebamme Stefanie Hofstetter untersucht eine schwangere ©MSF

„Einmal kam eine hochschwangere Frau zu uns, die zwei Tage zu Fuß gelaufen war“, erinnert sich Stefanie Hofstetter. „Sie hatte bereits drei Kinder bei oder kurz nach der Geburt verloren und suchte Hilfe. Wir brachten sie im Willkommensdorf unter, denn ihr Bauch war sehr groß. Wir vermuteten eine Zwillingsschwangerschaft – ein Ultraschallgerät haben wir nicht“, sagt die Hebamme. Nach zwei Wochen setzten die Wehen ein, doch weil die Kinder sich falsch gedreht hatten, musste das Team einen Kaiserschnitt vornehmen. „Die Überraschung war groß, als Drillinge zur Welt kamen“, so Hofstetter. „Nach zwei Wochen konnten wir sie gesund entlassen. Ohne unsere Hilfe hätten wahrscheinlich weder die Kinder noch die Mutter überlebt.“

Neben der medizinischen Arbeit leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Willkommensdörfern auch wichtige Informationsarbeit: Sie sprechen mit den werdenden Müttern über die Bedeutung des Stillens und andere Gesundheitsthemen wie Verhütung und Familienplanung. Denn wenn Frauen weniger Kinder bekommen, sinkt das Risiko von tödlichen Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. Die Vereinten Nationen haben es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Müttersterblichkeit weltweit signifikant zu senken: auf weniger als 70 Todesfälle bei 100.000 Geburten. Mit jährlich mehr als 280.000 begleiteten Geburten wird Ärzte ohne Grenzen weiterhin seinen Beitrag leisten, um den schwächsten Müttern und Kindern zu helfen.

Leiterin des Willkommensdorfes, Agathe Farini Sena ©Sandra Smiley, MSF

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