Klimaschutz, weniger Armut, mehr Gerechtigkeit und ein besseres Leben für viele Menschen – dafür hat Felix Finkbeiner mit seiner Initiative Plant-for-the-Planet in globalen Partnerschaften schon  1,5 Milliarden Bäume gepflanzt. Wir sprachen mit ihm über das nächste Ziel: 1.000 Milliarden Bäume bis 2030. Finkbeiner ist niemand, den Superlative erschrecken

Icon Ziel 1 der globalen Nachhaltigkeitsziele - keine Armut
Icon Ziel 10 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Weniger Ungleichheiten
Icon Ziel 13 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Maßnahmen zum Klimaschutz
Icon Ziel 15 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Leben an Land
Icon Ziel 17 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

Interview: Iris Rodriguez

Sie arbeiten daran, weltweit für den Klimaschutz Tausend Milliarden Bäume bis 2020 zu pflanzen. Wie kommt man auf eine solche Zahl?

Wir haben uns einfach die Fragen gestellt:

  • Wie viele Bäume gibt es eigentlich auf der Erde?
  • Und wie viele zusätzliche haben noch Platz?

Selbst Wissenschaftler hatten darauf keine Antworten, diese Fragen hatte noch niemand gestellt. Schließlich fand ein Forschungsteam in Yale vom Crowther Lab, mit dem Plant-for-the-Planet kooperiert, heraus, dass es drei Billionen Bäume gibt und  zusätzlich Tausend Milliarden Bäume Platz hätten, die zudem ein Viertel des vom Menschen gemachten CO2-Ausstoßes aufnehmen könnten und zusätzlich noch Millionen von Arbeitsplätzen in Ländern des Südens schaffen. Und so ist unsere Vision von der Billion entstanden.

Natürlich können wir die nicht alle selber pflanzen, aber wir können die Idee in die Welt hinaustragen.

Haben Sie immer schon so groß gedacht?

Als wir vor zwölf  Jahren als ganz kleines Schulprojekt anfingen, war ich in der vierten Klasse und wusste nicht einmal genau, was eine Million ist. Aber ich hatte damals von Wangari Maathai erfahren, der Friedensnobelpreisträgerin, die in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hatte, und dachte: Das können wir Kinder auch.

Wir haben losgelegt, andere Schulen haben mitgemacht, es entstand ein richtiger Baumpflanzwettbewerb. Nach einem Jahr waren es schon 50.000 Bäume, nach drei Jahren hatten wir unser Millionenziel erreicht. Inzwischen haben wir mit Unterstützung von Regierungen, Unternehmen und Organisationen 15 Milliarden Bäume weltweit in die Erde gesetzt.

Es sind Kinder, die der Welt empfehlen, wie viele Bäume gepflanzt werden sollten – wie finden Sie international Gehör?

Zum einen sind wir als Organisation sehr gut vernetzt mit anderen Organisationen, die  gegen die Klimakrise aktiv sind. Zum anderen arbeiten wir mit einem Team, dem Crowther Lab, an der Technischen Hochschule ETH Zürich zusammen, dessen Forschungen bis 2030 schon fest finanziert sind und das den wissenschaftlichen Hintergrund für Plant-for-the-Planet liefert und uns informiert, wo aufgeforstet werden kann und sollte und welchen Impact diese Tausend Milliarden Bäume haben werden – im ökonomischen und auch im ökologischen Sinne.

Zudem hat  das Crowther Lab Karten entwickelt, die aufzeigen, welche Baumarten man wo pflanzen kann und was man in der Aufforstung priorisieren sollte.  Jeder kann diese Infos abrufen.

Wissenschaft, Forschung, ein riesiges Netzwerk – Bäume pflanzen scheint keine einfache Sache zu sein.

Wenn man das auf einer globalen Ebene macht, muss man schon Vieles beachten: Mit den richtigen Baumarten die Artenvielfalt unterstützen, Landrechte respektieren, sicherstellen, dass  der Wald auch langfristig geschützt ist.

Zudem ist ein Baum nicht in allen Regionen gleich wertvoll. Nahe des Polarkreises hat er kaum eine Wirkung, in den Tropen nimmt er hingegen deutlich mehr  CO2 auf und hat eine stärkere Wirkung auch für den Klimaschutz.

Mit all diesem Wissen sind wir jetzt sehr gut aufgestellt. Falls also ein Milliardär kommt, der uns eine große Summe Geld geben möchte, dann wissen wir, wie man wo am besten pflanzt.

Felix Finkbeiner bei der Esri User Conference in San Diego. 2018 ©plant-for-the-planet

Denken Sie, dass junge Menschen konsequent genug nachhaltiges Handeln an den Tag legen?

Junge Menschen haben insbesondere bei der Klimakrise eine andere Perspektive, weil sie die Probleme ausbaden müssen. Uns betrifft es viel mehr und länger. Das verstehen viele der über 70.000 jugendlichen Botschafter, die bei uns mitmachen.

Grundsätzlich sehe ich aber nicht, dass die Jungen die Antwort auf alle unsere Probleme  sind, denn  wir können nicht warten, bis sie Erwachsene sind und darauf hoffen, dass sie dann schon alles richtig machen werden.

Sehen Sie, dass die ältere Generation genug tut?

Es gab und gibt unglaublich viele Menschen, die Großes geleistet haben und durch die unsere Arbeit überhaupt erst möglich ist. Hier möchte ich Gro Harlem Brundtland nennen,  die mit der Brundtland-Kommission, mit dem Zukunftsbericht, mit den internationalen Klimaverhandlungen und mit der daraus entstandenen ersten Klimakonferenz in Rio'92 die Nachhaltigkeitsbewegung maßgeblich mit gestaltet hat.

Wir sind auch unglaublich dankbar für den Club of Rome oder für Greenpeace,  die über die letzten fast 50 Jahre so Vieles auch für den Klimaschutz bewegt haben. Vor allem ist es durch diesen unermüdlichen Einsatz gelungen, dass die Welt mittlerweile gelernt hat, wie wichtig Umweltthemen sind.

Dennoch gibt es immer noch die Leugner des Klimawandels – selbst in den allerhöchsten Positionen der Weltpolitik. Wie können wir die überzeugen?

Man muss die Klimakrise nicht als solche anerkennen, um Tausend Milliarden Bäume pflanzen zu wollen. Aufforstungen haben so viele andere Vorteile in so unterschiedlichen Bereichen, dass man auch Leugner oder Zweifler überzeugen kann.

Bäume verhindern die weitere Ausbreitung von Wüsten, sind positiv für das Wasser, die Artenvielfalt, und die Ernährungssicherung. Und sie schaffen Arbeitsplätze! Ich glaube, diese wirtschaftlich relevanten Gründe zu nennen, kann bei diesen Menschen mehr bewirken.

Vor der UN-Vollversammlung haben Sie als Zwölfjähriger gesagt: Ein Moskito kann gegen ein Nashorn nichts ausrichten, aber Tausend Moskitos können dessen Richtung ändern. Haben sie das Gefühl, dass das Nashorn Globalisierung in die richtige Richtung läuft?

Nein, natürlich nicht, sonst hätten wir solche Probleme wie die Klimakrise nicht. Dennoch sollten  wir die Probleme etwas differenzierter sehen. Wer die Globalisierung pauschal schlecht macht, hat die gesamte Weltwirtschaft gegen sich. So können wir die Probleme auf keinen Fall lösen. Nur wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten, kann es gelingen, dass das Nashorn in die richtige Richtung läuft.

Zählt eigentlich ein frisch gepflanzter Apfelbaum im eigenen Garten auch zu den Tausend Milliarden Bäumen?

Auf jeden Fall! Er sollte allerdings im Baumzähler auf unserer Webseite registriert werden. Jeder, der einen Baum pflanzt, kann ihn dort eintragen – vom Hobbygärtner bis zur Chinesischen Regierung, die im Jahr übrigens 2,7 Milliarden Bäume pflanzt.

Bald wird dieser Baumzähler zu einer Art Uber fürs Bäume pflanzen: Er bringt Initiativen, die von Experten auf ihre Qualität eingeschätzt wurden, mit Menschen zusammen, die das Bäume pflanzen unterstützen möchten und die über unsere Plattform erfahren, wie ihre Spende eingesetzt wird und was sie bewirkt.

Was erwidern Sie Menschen, die sagen: „Ich allein kann nichts ändern“?

Es gibt vieles, was eigentlich jeder umsetzen kann, zum Beispiel, weniger Fleisch zu essen – einer der wertvollsten und einfachsten Beiträge. Oder viel bewusster einkaufen, öfter mal das Fahrrad nehmen – und natürlich Bäume pflanzen. Auf unserer Webseite kann man in unserem Aufforstungsprojekt Bäume pflanzen lassen. Das heißt für mich allerdings nicht, dass die Verantwortung im Kampf gegen die Klimakrise bei jedem einzelnen liegt. Wenn wir das meistern wollen, dann schaffen wir das nur mit politischen Veränderungen.

Mitmachen:

Plant-for-the-planet bietet viele Möglichkeiten an, selbst aktiv zu werden. DAs reicht von Spenden über Baumgeschenke bis zu Patenschaften. Mehr dazu: Plant-for-the-Planet unterstützen