Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem Berggipfel und schauen hinab auf ein grünbewaldetes Tal, in dessen Mitte ein türkiesfarben schimmernder See liegt. Am Himmel zieht gerade ein Raubvogel erhaben seine Kreise. Vielleicht spazieren Sie auch entlang eines plätschernden Baches oder laufen durch einen Wald, der nach Tannennadeln und feuchter Erde duftet. Vielleicht hören Sie einen Specht an einem Baumstamm picken oder Singvögel ihre Lieder trällern oder Sie sehen, wie die Sonne zwischen den Wipfeln hindurch auf eine Lichtung scheint, auf der Rehe grasen.

Naturschutz und unsere Verantwortung für das Wunder Natur

Es gibt wohl nur wenige Menschen, die unberührt bleiben beim Anblick der Natur. Die nicht froh werden, Frieden oder Ehrfurcht empfinden, wenn sie von ihr umgeben sind. Gerade jetzt im Frühjahr können wir überall miterleben, wie sich vor unseren Augen ein jährlich wiederkehrendes Wunder ereignet: wie die Natur aus dem Winterschlaf erwacht und ihre Kraft entfaltet. Wie Sprossen erst zart zu sprießen beginnen und die Umgebung plötzlich in allen Farben erstrahlt.

Die Schönheit der Natur, die Fülle und der Reichtum der Schöpfung und zugleich die großen ökologischen Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, haben das katholische Hilfswerk Renovabis erwogen, für das Jahr 2021 den Themenschwerpunkt wie folgt zu wählen:

„DU erneuerst das Angesicht der Erde“

Mit diesem Schwerpunkt lenkt Renovabis die Aufmerksamkeit auf unsere Verantwortung für die Umwelt.

Die Schöpfung braucht Respekt, Mitgefühl, Miteinander

„Cogito ergo sum“ – Ich denke, also bin ich. Vielen ist der berühmte Satz des Philosophen René Descartes ein Begriff. Doch es gibt noch etwas, das uns Menschen ausmacht: Es ist das Fühlen, das wir mit allen Geschöpfen in der Natur teilen. Wir alle empfinden, wir alle sind verletzlich.

Ordensbruder in blauer Kutte liebkost einen Esel, der ihm den Kopf entgegenreckt
Baltriškés (Litauen): Die Klostergemeinschaft der belgischen „Bruderschaft vom See Tiberias“ lebt im Einklang mit der Natur und setzt auf Umweltbildung. ©Renovabis

Renovabis sieht es daher als seine Aufgabe an, dafür zu werben, das, was wir lieben und zum Leben brauchen, zu schützen. Das Hilfswerk macht sich für ein umsichtiges, ressourcenschonendes und respektvolles Miteinander mit der Natur stark – für den Erhalt der Schöpfung, die uns allen als Geschenk gegeben ist.

Renovabis unterstützt Menschen in Osteuropa

Renovabis ist das jüngste der sechs weltkirchlichen katholischen Hilfswerke in Deutschland. Es wurde 1993 gegründet, um die Menschen in den einst kommunistischen Ländern in Mittel-, Ost- und Südeuropa bei ihrer pastoralen, sozialen und gesellschaftlichen Erneuerung nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs zu unterstützen, um ihnen Solidarität zu erweisen und Verbundenheit zu zeigen.

Deshalb gehört zum Jahresleitwort 2021 auch der Zusatz: „Ost und West in gemeinsamer Verantwortung für die Schöpfung“. Gerade in Osteuropa haben die Jahrzehnte unter kommunistischer Herrschaft vielfach zu einem Raubbau an der Natur geführt. Die Auswirkungen der Katastrophe von Tschernobyl sind bis heute präsent. Viele Schritte müssen in diesen Ländern noch begangen werden, um den Umwelt- und Ressourcenschutz weiter auszubauen.

Die Kollekte aus allen katholischen Pfarrgemeinden in Deutschland am Pfingstsonntag ist daher für die Arbeit von Renovabis bestimmt, das die Gelder in diesem Jahr unter anderem dafür einsetzt, soziale und zugleich naturnahe Projekte etwa in Rumänien oder Litauen zu fördern. Projekte, in denen es um die menschliche Verbundenheit mit der Natur geht.

Kleiner Roma-Junge beisst herzhaft in einen großen, roten Apfel
Umweltschonendes, nachhaltiges Wirtschaften – da schmeckt das Obst doppelt gut, wie diesem Roma-Jungen aus Albanien ©Renovabis

Es ist unser Bewusstsein füreinander, das zählt

Zugleich versteht Renovabis seinen diesjährigen Schwerpunkt als Anlass, sich und anderen noch einmal bewusst zu machen, dass wir alle gemeinsam auf der Erde leben und dass Gottes Schöpfung nur bewahrt werden kann, wenn wir alle einen Beitrag dazu leisten. „Alles hängt immer mit allem zusammen“, zitiert der Hauptgeschäftsführer von Renovabis, Pfarrer Dr. Christian Hartl, Papst Franziskus.

„Nur gemeinsam werden wir unseren Planeten Erde schützen, gestalten und bewahren können. Alle zusammen und zum Wohle aller.“

Vielleicht sollten wir daher nicht nur sagen und denken: „Cogito ergo sum“, sondern auch: „Sentio ergo sum“ – ich fühle, also bin ich. Und: ich fühle, also schütze ich. Auch auf diese Weise können wir das Angesicht der Erde erneuern.

Mitfühlen und Miterhalten

  • Waren Sie heute schon in der Natur und haben sich bewusst gemacht, was sie Ihnen schenkt – jeden Tag? Zum Beispiel: Nahrung, Frieden, Erholung, Freude, Hoffnung.
  • Versuchen Sie sich nicht getrennt zu sehen von der Natur. Wir Menschen sind Teil von ihr. Es gibt kein Gegeneinander, nur ein Miteinander und zwar so, wie wir es uns auch unter Menschen wünschen: in freundlicher Begegnung, mit Rücksicht und Respekt.
  • Auch Liebe zur Natur ist Nächstenliebe. Fragen Sie sich: Was können Sie der Natur Gutes tun? Wo können Sie Ihren Ressourcen-Verbrauch drosseln? Wie können Sie sich dafür stark machen, dass die Natur in ihrer Artenvielfalt erhalten bleibt und weiterhin bewahrt, geschätzt und geschützt wird?
       

Renovabis ist das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland. Mehr Informationen zum Wirken unter www.renovabis.de

Headerbild: @Renovabis