Mit dem Klimaretten ist es so eine Sache. Jeder hat eine andere Vorstellung davon. Wir denken über den Flug in den Urlaub nach; mehr Fahrradfahren, weniger SUV in der Stadt. Für Licht und Wärme in der Wohnung sollen sich Windräder drehen statt dass Kohle in Kraftwerken verbrennt. Doch über unser Essen denken wir selten nach.

Dabei hat das, was wir in den Einkaufskorb legen, Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Ob Käsebrot, Wurstsalat oder Tomaten – Klimaschutz fängt auf dem Teller an.

Der Weltklimarat IPCC führt bis zu 37 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf das globale Ernährungssystem zurück. Diese Angabe umfasst alle Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Für den deutschen CO2-Fußabdruck pro Kopf sind die Zahlen ähnlich dramatisch. Bei unserem durchschnittlichen Fußabdruck von 8,6 Tonnen fallen 2,3 Tonnen CO2 der Ernährung zu. Das ist fast ein Drittel der Gesamtemissionen pro Kopf, der gleiche Emissionswert wie für Mobilität.

Natürliche Lebensräume weichen Ackerland

Alles, was wir essen, kommt von irgendwo. Für unseren Bedarf an Nahrungsmitteln in Deutschland benötigen wir eine landwirtschaftliche Fläche von 19,5 Millionen Hektar. Da wir in Deutschland nur knapp 17 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung haben, belegen wir in anderen Regionen der Welt eine erhebliche Fläche. Damit tragen wir zum Flächendruck bei, der dazu führt, dass natürliche Lebensräume in Ackerland und Weideland umgewandelt werden.

Entwaldete Flächen im Grenzgebiet des Cerrado ©Jaime Rocho/WWF-US
Bei dieser Umgestaltung der Landschaft werden nicht nur Unmengen an Treibhausgasen freigesetzt, sondern es gehen wertvolle Kohlendioxid-Speicher der Erde verloren.

Dünger, Verarbeitung, Kühlung, Verpackung und Transport lassen den CO2-Abdruck von Lebensmitteln weiterwachsen. Wenn wir unsere Lebensgrundlage durch die Klimakrise nicht dauerhaft zerstören wollen, dann müssen wir in vielen Punkten umsteuern. Wir haben nur diesen einen Planeten, der uns mit Nahrung versorgt.

Tierhaltung erzeugt Verlust an Biodiversität

Die Tierhaltung ist der mit Abstand größte Landnutzer weltweit und die weltweite Nachfrage nach Fleisch steigt ungebrochen. Etwa 70 Prozent der Verluste an biologischer Vielfalt und 80 Prozent der Entwaldung sind auf die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln zurückzuführen. Von den 19,5 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche, die wir insgesamt für die Produktion unserer Lebensmittel benötigen, gehen 15,2 Millionen Hektar auf das Konto von tierischen Lebensmitteln und damit auf die Produktion von Futtermitteln, darunter auch Soja. Brasilien ist zweitgrößter Lieferant von Soja für Deutschland.

Sojaschrot dient als Futter für Schweine, Hühner und Rinder, die für unseren Verbrauch gehalten werden. Für den Anbau der Bohnen werden an anderen Orten der Welt wertvolle Ökosysteme zerstört. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der in die Europäische Union importierte Sojaschrot aus Gebieten mit einem hohen Entwaldungsdruck stammt, etwa aus Brasilien.

Riesige Feuer vernichten tropische Ökosysteme auf jährlich eine Million Hektar Fläche @ David Bebber/WWF-UK

Die Waldbrände wüten dort schlimmer denn je. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gingen 2.000 Quadratkilometer Wald verloren – 49 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten vier Jahre.

Ein weiteres dramatisches Beispiel: Die brasilianische Savanne, der Cerrado, gehört zu den artenreichsten und gefährdetsten tropischen Ökosystemen der Erde. Nur 20 Prozent der ursprünglichen Vegetation des Cerrado sind noch erhalten.

Mit unserer Ernährung tragen auch wir mit dazu bei, dass einzigartige Lebensräume zerstört werden.

Die biologische Vielfalt ist das wichtigste Gut unseres Planeten. Sie umfasst die Ökosysteme und Lebensräume, die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der verschiedenen Arten.

Verlust an fruchtbaren Böden und Biodiversität

Wie bei der Klimakatastrophe stecken wir auch hier in der Krise. Wir erleben heute das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit vor 65 Millionen Jahren. Dabei ist der Erhalt der biologischen Vielfalt die Grundlage des menschlichen Lebens. Nicht nur Nahrung, auch Medizin, Rohstoffe, sauberes Wasser und Luft sind einige der wichtigen Dinge, die die Natur uns zur Verfügung stellt.

Eine weitere sehr knappe und viel zu wenig beachtete Ressource stellen fruchtbare Böden dar. Böden sind weltweit gefährdet durch Erosion, Versalzung, Verschmutzung und Versiegelung. Neueste Schätzungen besagen, dass bereits 52 Prozent unserer global zur Verfügung stehenden Ackerflächen degradiert sind. Dabei sind fruchtbare Böden unsere Lebensgrundlage schlechthin.

Zudem sorgt der weltweite Bevölkerungsanstieg dafür, dass die landwirtschaftliche Fläche pro Kopf abnimmt. 1950 hatten noch 2,5 Milliarden Menschen im Durchschnitt 5.200 Quadratmeter zur Verfügung, 2050 werden es bei geschätzten neun Milliarden Menschen nur noch 1.700 Quadratmeter sein.

Sojanbau statt Biodiversität in Brasilien, zweitgrößter Fleischlieferant fürDeutschland ©Peter Caton/WWF-UK

Essen für den Klimaschutz

Die Chance, Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen, sitzt täglich mit am Esstisch. Jeder Biss zählt. Kleine Veränderungen haben eine große Wirkung. Bereits der klassische Hamburger zeigt beim Flächenverbrauch, welchen Unterschied unsere Gewohnheiten machen können: 3,6 Quadratmeter Fläche verbraucht ein Hamburger, davon beansprucht allein das Fleisch des Burgers 3,4 Quadratmeter. Eine pflanzliche Ernährung trägt zum Schutz von Biodiversität und Klima bei.

Die Effekte für das Klima durch unsere Entscheidungen auf dem Teller sind enorm.

Dies zeigen auch Berechnungen des WWF zu dem sogenannten Sonntagsbraten. Eine vierköpfige Familie, bei der nur einmal in der Woche Fleisch auf dem Teller landet, spart 27 Millionen CO 2 -Äquivalente im Jahr ein. Das entspricht einer Autofahrt von 11.000 Kilometern – vom Nordkap an die Mittelmeerküste Portugals und zurück. Selbst ein fleischfreier Tag in der Woche spart bei einer vierköpfigen Familie bereits neun Millionen CO 2 -Äquivalente im Jahr ein, rund 3.600 Kilometer mit dem Auto.

Doch ein großes Problem für das Klima ist nicht nur eine fleischlastige Ernährung. Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird nie verzehrt. Es geht vom Acker bis zum Teller verloren. Der Weltklimarat stellt fest: 8 bis 10 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto von Lebensmittelverlusten.

WWF macht sich stark für bewusstere Ernährung zum Klimaschutz ©Daniel Seiffert

Umstellung auf nachhaltigere Ernährungsweisen

Aber es gibt auch Potenziale und Hoffnung: Konkrete Maßnahmen in der Landwirtschaft und im Ernährungsbereich können zu einer Reduzierung von Treibhausgasen um bis zu 20 Prozent führen. Dies zeigt ein aktueller Report, den der WWF mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) veröffentlicht hat. Die Verringerung von Lebensmittelverlusten, die Umstellung auf nachhaltigere Ernährungsweisen und weitere Maßnahmen führen zu einer Reduktion von Emissionen bis zu 12,5 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid.

Sowohl beim Konsum als auch in der Produktion müssen wir zu einem Ernährungssystem kommen, das Umweltauswirkungen reduziert und gleichzeitig die menschliche Gesundheit verbessert.

Ein faires, nachhaltiges Ernährungssystem innerhalb der planetaren Grenzen zahlt nicht nur auf Nachhaltigkeitsziel 13 ein, die Klimakrise zu bekämpfen, sondern genauso auf Ernährungssicherung (Ziel 2), gesundes Leben für alle (Ziel 3), nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen (Ziel 12) und Landökosysteme schützen (Ziel 15). Es lohnt sich, wir haben nur diesen einen Planeten.

Selbst aktiv werden:

Wenn Sie beim Thema Klimaschutz noch weiter über den Tellerrand schauen möchten, besuchen Sie doch unseren VHS-Kurs „klimafit“ in einer Volkshochschule in Ihrer Nähe.

Mehr Informationen: www.wwf.de/klimafit

Download der Publikation "Das große Fressen" des WWF

Die Publikation "Das große Fresen" klärt über heutige und künftige Ernährungsweisen auf

Ein Beitrag des wwf.

Headerbild: Ferngesteuerte, riesige Wassersprenger im Cerrado in Brasilien everteilen das Wasser auf der Sojasaat. Soja zählt zu den Intensivsaaten, d.h., es verbraucht große Mengen an Wasser. © Peter Caton/WWF-UK