Was macht unser Geld eigentlich, wenn wir es nicht mehr sehen? Mal ehrlich: Wer weiß das schon so genau! Die meisten Menschen besitzen ein Girokonto, viele auch ein Depot. Sie beobachten im digitalen Banking, wie Geld dazukommt und abgebucht wird. Aber was machen Banken mit dem Geld, das wir ihnen anvertrauen?

Wird es für die Herstellung von Waffen verwendet? Werden Waldzerstörung und Umweltverschmutzung damit vorangetrieben? Oder wohlmöglich Kinderarbeit! All das bleibt den Bankkunden in der Regel verborgen. Nachhaltige Geldanlage bzw. Fair Finance will dies ändern, indem es Rechenschaftspflicht und Transparenz bei Geldtransaktionen und Investitionen von Bankinstituten einführt.

Geld anlegen soll sich lohnen

Menschen, die sparen oder in Aktien investieren, möchten einen möglichst hohen Gewinn erzielen – gerade in Zeiten ssehr geringer Zinsen. Doch immer mehr Menschen möchten ihre finanzielle Ziele mit ethischen, sozialen und ökologischen Wertvorstellungen in Einklang bringen. Sie entscheiden sich für Geldanlagen, die ebenfalls profitabel sind, jedoch zum Beispiel in den Ausbau erneuerbarer Energien oder die Förderung von Sozialunternehmen investieren.

Fair Finance: Konzept und Zielsetzung

Für Fair Finance gibt es viele weitere Bezeichnungen, wie etwa Grünes Geld, Social Investment, Ethisches Investment oder ethische Geldanlage. Eine  einheitliche Definition gibt es nicht, dennoch wird darunter ein Finanzsystem verstanden, in dem die verschiedenen Finanzprodukte wie Spareinlagen, Festgelder oder Anleihen für nachhaltige Investitionen genutzt werden, die fair und gerecht sind, Rendite und Sicherheit bieten und dabei auch Ziele jenseits der Finanzwelt verfolgen. Die bekannten Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit werden also um ökologische, soziale und ethische Aspekte erweitert.

Fair Finance macht es möglich, das auf Banken "geparkte" Geld der Kunden in nachhaltige Projekte zu inverstieren. ©Markus Spiske

Mit dieser Form der Geldanlage unterstützen Kunden von Nachhaltigkeitsbanken u.a. einen stärkeren Umweltschutz, nachhaltige Energieprojekte oder Bildungs- und Kulturprojekte.

Manche Nachhaltigkeitsbanken gehen so weit, dass Kunden und Kundinnen bei der Kontoeröffnung mitbestimmen können, wo ihr Geld wirken soll.

Was wäre, wenn es kein Fair Finance gäbe?

Nicht zu wissen, wo unser Geld von großen Finanzkonzernen investiert wird, kann gefährlich sein. Im Dezember 2020 hat der niederländische Fair Insurance Guide berichtet, dass große Firmen wie Aegon, Nationale Nederlanden und Allianz Milliarden Euro in den umstrittenen Waffenhandel investieren. (Quelle)

Tatsächlich ist der größte Investor unter den drei Unternehmen der deutsche Versicherer Allianz. Mit etwa 1,3 Millionen Kunden in den Niederlanden hat die Allianz 3,8 Milliarden Euro in vierzehn Rüstungsunternehmen investiert, die Waffen an 49 Länder liefern, die derzeit in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, die eine schwere Verletzung der Menschenrechte verursachen.

Fair Finance International, aber auch der WWF, zeigen seit langem auf, dass auch die Abholzung des Regenwaldes dadurch unterstützt wird, dass europäische Finanzinstitute Unternehmen finanzieren, die direkt oder indirekt zu den Abholzungen beitragen. Durch industrielle und illegale Rodungen wird Waldfläche in riesige Plantagen – meist Monokultur – umgewandelt. Die auf diesen Plantagen gewonnenen billigen Rohstoffe landen schließlich als Kopierpapier, Kartonage, Margarine, Steak oder Süßigkeiten in europäischen Büros und Haushalten.

FairFinance International

Länder auf der ganzen Welt haben meist unterschiedliche Finanzvorschriften, die eine Standardisierung fairer Finanzprinzipien schwierig machen. Dennoch ist Fair Finance International (FFI) ein internationales zivilgesellschaftliches Netzwerk, das Bewertungen, Berichte und Kampagnen für eine verantwortungsvollere Investitionspolitik und -praxis durchführt.

Fünf Gründe, warum wir nachhaltige Geldanlage brauchen

Transparenz:Faires Finanzwesen stellt den Kunden ausreichende Informationen darüber zur Verfügung, was mit dem in den Banken verwahrten Geld gemacht wird. Dies ist wichtig, um Transparenz über Finanzströme innerhalb und außerhalb einer Nation zu gewährleisten.

  • Sicherheit von Finanzdaten: Bankinstitute mit einer Fair-Finance-Politik stellen sicher, dass die Kunden die Kontrolle über ihre Finanzdaten haben und deren Zustimmung zum Zugriff erforderlich ist. Dies kann Kunden die Freiheit geben, Konten zwischen Anbietern zu wechseln.
  • Rechenschaftspflicht:Nachhaltigkeitsbanken führen regelmäßig Audits und periodische Überprüfungsberichte durch, die den Kunden zur Verfügung stehen, um zu überprüfen, ob die Banken bei nachhaltigen Investitionsprojekten angemessen vorgehen.
  • Wohlfahrtspolitik:Faires Finanzwesen zielt darauf ab, in Projekte zu investieren, die "fair" und vorteilhaft für die Gesellschaft und die Umwelt sind. Kunden, die in nachhaltige Geldanlagen investieren, können sicher sein, dass ihr Geld nicht zum Beispiel für den Kauf von Waffen verwendet oder in die Kohleförderung investiert wird.
  • Kundenzentrierte Politik: Für Nachhaltigkeitsbanken stehen Kundinnen und Kunden im Mittelpunkt der Entscheidungsfindung. so ist sichergestellt, dass Bankdienstleistungen maßgeschneidert und flexibel sind, je nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kundschaft.

Faires Finanzwesen bietet uns die Möglichkeit, unser Geld mit gutem Gewissen zu sparen und hilft uns, unseren Teil zur Förderung einer gerechten Welt beizutragen.

HIER ist die Webseite des Fair Finance Guide Deutschland (Stand: September 2020) mit Hintergrundberichten, Studien und ausführlichen Informationen zu Banken und Versicherungen.

Headerbild: Artem Biliaikin, Unsplash