Von Mailand bis Barcelona, von Paris bis Bogota - die Städte der Welt verändern sich und machen Platz für Radwege und erweiterte Bürgersteige, um Sicherheitsabstand zu wahren und eine Überlastung der öffentlichen Verkehrsmittel zu vermeiden. Und Berlin holt endlich auf: mit seinen neuen und kommenden Pop-up-Radwegen auf!

Berlin will bei der Integration nachhaltiger Mobilität für seine Bürgerinnen und Bürger Vorreiter werden – mit einem effizienten öffentlichen Nahverkehr, vielfältigen Sharing- Modellen, und einem zukunftsweisenden Mobilitätsgesetz. Wie jedes starke Gebäude ein noch stärkeres Fundament braucht, haben die Architekten dieses Gesetzes 2018 drei Elemente der Mobilitätsplanung in den Mittelpunkt gestellt: Fußgänger, Radfahrer und öffentlichen Nahverkehr.

Die Architekten hinter dem Berliner Mobilitätsgesetz 2018

Das Mobilitätsgesetz war der Höhepunkt einer zweieinhalbjährigen Kampagne für ein fahrradfreundliches Berlin, die vom Verein Changing Cities vorangetrieben wurde und in weniger als drei Wochen die Unterstützung von mehr als 100.000 Unterzeichnern erhielt. Innerhalb der nächsten 10 Jahre Bis 2030 soll sich Berlin zur Fahrradstadt gewandelt haben, dem autofreien Verkehr mehr Raum geben, ökologisch nachhaltig sein und für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Dabei orientierte sich die Initiative am Vision Zero-Prinzip.

Die Idee hinter Vision Zero

Das Prinzip wurde ursprünglich in Schweden entwickelt, um durch sichere
Arbeitsbedingungen und -umgebungen hundertprozentige Sicherheit für Arbeitende zu gewährleisten. Inspiriert von dieser Idee wurde Vision Zero an den Mobilitätsektor und die Verkehrssicherheit angepasst und ist jetzt auch eine Leitidee des Mobilitätsgesetzes.

Europaweit wird diese Idee die Art und Weise die Ausgestaltung der Transportsysteme und städtische Mobilität völlig verändern. Weg von der Schnelligkeit, hin zu einem Sicherheitsbedürfnis. Heute geht es stärker als je zuvor um Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität in der Stadt als darum, mehr Pkw-Verkehr zu ermöglichen.

Nutzung der COVID19-Pandemie

Doch bekanntermaßen ist die Autolobby in Deutschland sehr stark, seit 70 Jahren werden Straßen für Autos optimiert. Während es immer noch eine Herausforderung ist, diese Denkweise zu ändern, hat der Verein Changing Cities auf Grund der Abstandsregelungen während der COVID19-Pandemie erkannt, dass eine Großstadt wie Berlin den nicht- motorisierten Verkehr dringend fördern und Pop-up-Fahrradwege einrichten muss. Zwar sind solche Fahrradwege bereits durch das Mobilitätsgesetz vorgesehen, doch die Pandemie beschleunigt nun die Umsetzung. Changing Cities erkannte die Chancen, die sich aus der Krise für einen Sinneswandel ergeben. Ragnhild Sørensen, Pressesprecherin des Vereins, fasst zusammen, wie die Berlinerinnen und Berliner den städtischen Raum nun anders
erleben als vor Corona.

„Ihre Mobilität ist jetzt eingeschränkt und das bedeutet, dass die Nachbarschaft und der Kiez plötzlich viel mehr als einen persönlichen Aufenthaltsraum wahrgenommen werden. Und dieses unmittelbare Umfeld soll so lebenswert wie möglich sein."

Tatsächlich ist es in den letzten Monaten zu einer sehr engen Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung gekommen, um die Pop-up-Radwege und Spielstraßen in verschiedenen Berliner Bezirken zu schaffen. Während viele Berlinerinnen und Berliner nun durch eine teilweise autoverkehrsfreie Innenstadt radeln, sorgen Freiwillige dafür, dass Spielstraßen an Sonn- und Feiertagen für spielende Kinder autofrei bleiben.

Gemeinsam mehr verändern

Im vergangenen Herbst, lange bevor die Pandemie ausbrach, hatten wir vom seventeen goals Magazin eine Infografik über die "Welt des Radfahrens" und die positiven Auswirkungen auf unsere Gesundheit und Umwelt erstellt. COVID-19 hat vielfältige Herausforderungen, aber auch Chancen für eine nachhaltigere Lebensweise mit sich gebracht, und genau darum geht es Changing Cities: Die Zivilgesellschaft mit einbeziehen, Denkweisen verändern, Projekte integrativ gestalten, so dass sich möglichst viele Menschen verantwortlich und involviert fühlen. Und es sind konzertierte Anstrengungen im Gange, um sicherzustellen, dass die Pop-up-Radwege dauerhaft werden. Denn in die Zukunft zu radeln,
ist der beste Weg!

"Freiraumwunder", handgefertigte Autos aus "Changing Cities" in Berlin, die verschiedene Arten der Nutzung des städtischen Raums zeigen - zum Spielen, Plaudern oder Entspannen!

Mitmachen:

Die Petition #FaireStrassen von Changing Cities unterzeichnen und verbreiten, damit Fußgänger und Fahrräder in Zeiten der Coronakrise – und hoffentlich weit darüber hinaus – mehr Platz bekommen. www.changing-cities.org/fairestrassen