Was früher Tante-Emma-Läden waren, sind heute die Unverpackt-Läden, die es in vielen Städten bereits gibt. Seit März 2018 hat auch Mannheim einen solchen kleinen Supermarkt – dank Eduard Justus und seiner Frau

Icon Ziel 12 der globalen Nachhaltigkeitsziele - Weniger Ungleichheiten

Text: Andrea Walter

Wer bei Eddie’s durch die Schaufenster blickt, entdeckt helle Holzregale mit
gläsernen Spendern. Darin: Buchweizen, Bulgur, Dinkel, Hirse, zudem Gewürze, Müsli, Mehl. Aber auch Edelstahlflaschen, Haarseife, Rasierhobel. Es gibt viel zu entdecken, nur Plastik sucht man hier vergeblich.

Eddie’s ist der erste Unverpackt-Laden Mannheims. Eröffnet haben Eduard Justus und seine Frau Tatjana ihren Laden in der Seckenheimer Straße 21 in Schwetzingerstadt vor gut anderthalb Jahren. Zuvor hatten beide andere Jobs: Er arbeitete als Wirtschaftsingenieur, sie als Bekleidungstechnikerin. Dann entschieden sie, eine Pause vom Berufsleben zu nehmen, zu kündigen und auf Reisen zu gehen. Bald war klar: In ihre alten Berufe wollten sie nicht zurück.

Eigene Konsumgewohnheiten hinterfragen

Sie überlegten. Tatjana Justus hatte ihrem Mann von den Unverpackt-Läden erzählt, die sich seit 2014 in Deutschland mehren. Ihm gefiel die Idee. Würde das zu ihnen passen? Würde es! Zumal sie bereits angefangen hatten, ihre eigenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen. Sie hatten das Bad ausgemistet, die Küche, die Reinigungsmittel – und durch plastikfreie Alternativen ersetzt. Warum dies nicht auch anderen schmackhaft machen?

Bewusst gegen den Verpackungswahnsinn: Eduard Justus vor seinem Unverpackt-Laden

Sie recherchierten, schrieben einen Businessplan, beantragten ein Förderdarlehen. Im Bekanntenkreis gab es anfangs auch Skeptiker. Doch sie bekamen das Darlehen
und das Ladenlokal war schnell gefunden. Außerdem war es gut, dass sie mit Inhabern anderer Unverpackt-Läden gesprochen hatten: Holt das Lebensmittelamt früh ins Boot, rieten diese. Das machten die beiden.

Nach einem Dreivierteljahr der Planung konnten sie eröffnen. „Wir sind sehr zufrieden, wie wir angenommen werden“, sagt Eduard Justus. Hilfreich sei auch, dass das Thema Müllvermeidung in den Medien gerade so präsent ist. Aber er hat auch einen Wunsch: „Wir sind eine Nische“, sagt er. „Ich wünsche mir, dass Politik
und Gesellschaft verpackungsfreie Konzepte in Zukunft so fördern, dass sie auch großflächig angenommen werden.“

Mitmachen:

Gemüse und Obst unverpackt einkaufen – das geht auch im Supermarkt, auf Märkten sowieso. Am besten eigene Stoffbeutel mitbringen – auch zum Bäcker. Statt Fertigprodukten lieber selber kochen – auch das vermeidet Müll. Hausmittel wie Natron wirken Wunder: Einfach mal einlesen in die Materie der Müllvermeidung – und ausprobieren!

Bild: © Eduard Justus