Unternehmen werden nicht mehr nur an ihren Umsatzahlen gemessen, sondern auch daran, wie sich ihr Agieren ökologisch, ökonomisch und sozial auswirkt. Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager agieren an der Schnittstelle zwischen den sozial-ökologischen Ansprüchen der Gesellschaft und den Leistungen des Unternehmens, das sie repräsentieren.

Nach außen und innen sind sie zentrale Ansprechpersonen und impulsgebend für Nachhaltigkeitsthemen in allen Unternehmensbereichen. Vom Errechnen des CO2-Fußabdrucks bis zur strategischen Förderung von Vereinen und Ehrenamt betrachten sie alle Anliegen durch die Brille des gesellschaftlichen Mehrwertes unternehmerischen Handelns.

Die vielfältigen Aufgaben im Nachhaltigkeitsmanagement

Um die Vielfalt der Aufgaben von Nachhaltigkeitsverantwortlichen darzustellen, hat unsere Gastautorin Julia Scheerer von der Bertelsmann Stiftung das Bild des Baumes gewählt. Von der Wurzel bis zur Krone findet sie Analogien.

Schauen wir uns also den Baum für die „Wipfelstürmer der Nachhaltigkeit“ mal genauer an.

Hauptwurzel des Baumes: Nachhaltiges Finanzwesen

Nachhaltigkeitsaspekte haben einen immer größer werdenden Stellenwert auf den Kapitalmärkten. Wo liegen die Berührungspunkte zwischen Finanzwirtschaft und Nachhaltigkeit? Welche nachhaltigen Investitions-, Finanzierungs- und Anlageentscheidungen werden getroffen? Wie können die finanzmarktbezogenen Entscheidungen des Unternehmens nachhaltigkeitsorientiert gesteuert werden?

Das sind wichtige Fragen, mit denen sich das Nachhaltigkeitsmanagement auseinandersetzen müssen. Vor allem zu Beginn des Jahrs, wenn die Nachhaltigkeitsberichterstattung startet und alle erforderlichen Kennzahlen zusammengetragen werden müssen. Keine einfache Sache, denn es gibt zahlreiche offene Fragen, die die Verfügbarkeit von Daten und die Methodik der Auswertung betreffen. Gegenwärtig muss zu einer Vielzahl von Standards Auskunft gegeben werden.

Titelseite des Berichtes vom Sustainable Finance Beirat, fein gestrichelte Röhre auf türkisem Untergrund
Das Gelingen der großen Transformation ist Leitmotiv des 2019 von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Sustainable Finance Beirates

Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Nachhaltigkeitsmanager müssen auch vertraut sein mit den Themen zu rechtlichen Rahmen in Deutschland oder den Grundzügen des nachhaltigen Finanzwesens. Auch gilt es, im Blick zu behalten, was sich in der regulativen Pipeline befindet.

Etwas fachspezifischer: Es geht um nichts weniger als einen ganzheitlichen Accountingansatz, der über finanzielles Kapital hinausgeht. Es geht um die Annäherung zwischen Integrated Reporting und Management. Und um quantifizierte Schwellenwerte für soziale und ökologische Grenzen und die Zuteilung von Verantwortlichkeiten einzelner Sektoren mit dem Ziel, den gesellschaftlichen Stand Nachhaltigkeit zu erheben. Puh, dickes Brett! Wie gesagt, die Wurzeln sind der Hauptversorgungsstrang!

Der Baum nimmt über seine Blätter CO2 auf und wandelt es in O2 um. Blätter und Äste zusammen bilden die Krone.

Krone des Baumes: Das gesamte Thema CO2

Der CO2-Fußabdruck der Produkte und Dienstleistungen muss erfasst, reduziert, aber auch kompensiert werden. Sicherlich werden die ein oder anderen Verantwortlichen für Nachhaltigkeit die Effekte der Covid-19+ Pandemie auf den CO2-Fußabdruck freuen. Global betrachtet ist das jedoch nur ein sehr kurzer Effekt. Kluge Köpfe stellen jetzt die Weichen dafür, dass diese CO2-Delle in der Statistik zum neuen Mindestmaß wird.

Ursachenforschung ist wichtig! Reiseintensive Unternehmen können z.B. über die Anpassung der Dienstreiserichtlinie nachdenken. Wie wäre es mit Videokonferenz statt Präsenz? Nicht genutzte Bürogebäude – ist Heizen erforderlich? Oder: Was, wenn der Betrieb künftig regulär mehr Homeoffice anbietet?

Passagier in der First Class eines Flugzeuges, schaut aus dem Fenster
11 Prozent weniger CO² durch den Rückgang 2020 bei Geschäftsreisen ©joakim-honkasalo-unsplash

Wenn die Produktion 2020 eingebrochen ist, könnte nun der Zeitpunkt sein, die Optimierung der Ressourcenströme und der Warenwirtschaft anzustoßen. Auch Science Based Targets (SBTs), also die Reduktionsziele für relevante Treibhausgasemissionen, sollten in diesem Zusammenhang 2021 in den Standard-Kanon der Nachhaltigkeitsverantwortlichen übergehen.

Gerade Unternehmen, die große Mengen an Treibhausgasen emittieren, können mit Hilfe einer ambitionierten und strukturierten Zielsetzung einen entscheidenden Beitrag zum (globalen) Klimaschutz leisten.

Schauen wir jetzt mal unter die Rinde – was gibt es da zu tun?

Kambium – Verantwortung von und für Mitarbeitende/n

Das Kambium ist die Lebensader von Gehölzen, über diese Schicht erfolgt ihr Dickenwachstum und es leitet die Nährstoffe in Richtung Krone. Als das Kambium eines Unternehmens können analog zu diesem Bild die Mitarbeitenden betrachtet werden. Zentral für die Verantwortlichen im Nachhaltigkeitsmanagement sind daher folgende Fragen:

  • Wie bekomme ich möglichst viele Kolleginnen und Kollegen mit an Bord?
  • Wie setze ich ein innerbetriebliches Nachhaltigkeits-Movement in Gang?
  • Welche Anreize, Argumente und Strukturen sind effektiv, um zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren?
  • Kann eine nachhaltigkeitsleistungsbezogene Vergütung etabliert werden?
  • Welche Rolle spielen innerbetriebliche Interessensvertretung und Aufsichtsräte bei der Nachhaltigkeitstransformation von Unternehmen?

Ein Baum bildet mit den Pflanzen in seiner Umgebung ein Ökosystem.

Ökosystem des Baumes: die Kreislaufwirtschaft

Hier sind die wichtigen Themen Ressourcenströme und Kreislaufwirtschaft angesiedelt. Der Austausch zwischen Nachhaltigkeitsverantwortlichen und Business Development ist ein spannendes ToDo, denn aus dem bloßen „Verkaufen von Waren/Dienstleistungen“ können und müssen neue Geschäftsmodelle entstehen – Stichwort: Leihgüter versus verkaufte Waren.

Grafik zur Kreislaufwirtschaft, sieben Schritte werden farblich gekennzeichnet voneinander unterschieden
Nachaltiges Wirtschaften impliziert umweltfreundliche Aktivitäten und Reduktion des Abfalls ©Grafik europa.eu

Damit sind wir auch schon bei der näheren Umgebung unseres CSR Baumes 2021 angelangt.

Gras um den Baum: Corporate Political Responsibility.

Ein Evergreen ist die gesellschaftspolitische Verantwortung von Unternehmen. In politisch unsicheren Zeiten, in denen Demokratien stärker unter Druck geraten, wird es für diejenigen, die besonders von politischer Stabilität profitieren, wichtiger, diese auch zu fördern.

In Deutschland brauchen wir politisches Engagement aller gesellschaftlichen Kräfte – auch der Unternehmen. Nicht als parteipolitische Positionierung, sondern als Förderung des politischen Engagements und Einsatz für demokratische Werte. Für Nachhaltigkeitsverantwortliche bedeutet dies: Die Strategie um eine politische Dimension erweitern. Zukunftsmusik? Keineswegs! Je früher hier ein schlüssiges Konzept entwickelt wird, desto besser.

Frühlingsbote unterm Baum: Corporate Digital Responsibility

Digitale Transformation ist nur gut, wenn sie Nachhaltigkeit fördert. Darum wird in Zeiten rasant voranschreitender digitaler Transformation das Thema Corporate Digital Responsibility immmer wichtiger. Wie und wo die Digitalisierung im Unternehmen den sozial-ökologischen Umbau mit vorantreiben kann – auch dies sind Fragen, mit denen sich Verantwortliche im Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigen.

Illustration von Menschen, die nur schemenhaft zu erkennen sind, Menschen in schwarz und lila-blau dargestellt, Hintergrund türkis
Die Umweltpolitische Digitalagenda zeigt auch, wie Industrie 4.0 und Kreislaufwirtschaft gelingen können

Nachhaltigkeitsmanagement ist wie ein großer Baum, der gesund und kräftig wächst, wenn er entsprechend gepflegt wird.

Wir danken Julia Scheerer für diesen Beitrag. Sie hat Anfang 2021 mit rund 60 Verantwortlichen für Nachhaltigkeit in Unternehmen und Expertinnen und Experten der Nachhaltigkeit aus Wissenschaft und Beratung über die wichtigsten Themen 2021 für Nachhaltigkeitsverantwortliche gesprochen. Ihre Ergebnisse sind in diesen Beitrag eingeflossen. Julia Scheerer ist Project Manager "Unternehmen in der Gesellschaft" bei der Bertelsmann Stiftung.

Zu Julias Scheerers Fachbeitrag für Nachhaltigkeitsverantwortliche

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