Die Landwirtschaft ist für 10 % der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich. Nun gibt es einen Ansatz, der zu einer klimabewussteren Praxis führt: Carbon Farming. Die EU-Kommission hat Ende April einen Bericht mit einer aktuellen Studie veröffentlicht, der die Methode und  ihre Vorteile aufzeigt und deutlich macht, was lokal und national durch Carbon Farming erreicht werden kann.

Der Wandel ist dringend nötig

Um gegen die ansteigenden Temperaturen durch immer mehr freigesetztes CO2 vorzugehen, sind praktische Lösungen zwingend erforderlich. Nur so ist der  besorgniserregende Anstieg zu dämpfen. Die Agrarindustrie kann durch regenerative Landwirtschaft einen erheblichen Beitrag leisten, Carbon Farming zeigt: in den Böden liegt der Wandel.

Was ist Carbon Farming?

Unter Carbon Farming wrden alle landwirtschaftlichen Methoden  zusammengefasst, bei denen von Menschen freigesetztes CO 2 in landwirtschaftlich genutzte Böden zurückgeführt wird. Carbon Farming charakterisiert also einen wichtigen Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft und verfolgt das Ziel, mehr Kohlenstoff zu binden und so den Klimawandel abzuschwächen.

„Unsere Klimaschutzmaßnahmen müssen in erster Linie die vom Menschen verursachten Emissionen verringern. Aber wir müssen auch natürliche Kohlenstoffsenken wiederherstellen und schützen, damit wir CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und in unseren Böden und Wäldern speichern können.“   Frans Timmermans, Vice President EU Kommission

Böden können bei richtiger Bewirtschaftung gigantische Mengen an Kohlenstoff binden.  Ihre Fähigkeit, Kohlenstoff  langfristig zu speichern, wird jedoch durch extensive Landwirtschaft zerstört. Der folgende Film von Climate Farmers erkärt die Zusammenhänge sehr anschaulich.

‌Wie kann regenerative Landwirtschaft umgesetzt werden?

Die Umsetzung von Carbon Farming bzw. regenerative Landwirtschaft erfordert sowohl die Expertise von Landwirt*innen als auch von Unternehmen und Förderern. Die Förderung kann von Partnerschaften mit lokalen Anbietern nachhaltiger Lebensmitteln bis zu staatlicher Förderung (siehe unten) reichen.

Die EU-Kommission beschreibt zwei Wege der Implemeintierung:

  • ein aktionsbasiertes System, bei dem Landwirtschaftsbetriebe für die Einführung klimafreundlicher Praktiken belohnt werden
  • ein ergebnisbasiertes System, welches die Zahlungen an Landwirt*innen direkt an messbare Indikatoren für den von ihnen erbrachten Klimanutzen knüpft

Letzteres System wird von der EU-Kommission bevorzugt, da die Mittelverwendung kongruenter mit dem angestrebten Klimaziel (Ziel 13) ist und Bäuerinnen und Bauern Anreize sowie die Flexibilität geboten werden, diese Methoden selbst umzusetzen und zu verwalten.

Die EU-Kommission plant, die Carbon-Farming-Initiative bis Ende 2021 zu starten.

Sie schlägt vor, dass Projekte "auf lokaler oder regionaler Ebene entwickelt werden sollten, um Erfahrungen zu sammeln". Mit zunehmender Verbreitung von nachhaltiger Landwirtschaft bzw. Carbon Farming wird erwartet, dass mehr politische Entscheidungsträger*innen in den Ländern dies offiziell als vorteilhafte Methode der Landwirtschaft anerkennen werden.

Ackerboden mit Traktorspuren, gründe Pflänzchen wachsen auf dem Feld im Abendlicht
Agroforstwirtschaft, Kohlenstoff-Audits und Moorrenaturierung sind ein wichtigen Beitrag zu den Bemühungen der EU, den Klimawandel zu bekämpfen. ©: Dylan de Jonge, Unsplash

Deutsche Organisationen, die Carbon Farming umsetzen

In Deutschland gibt es immer mehr Initiativen, die den Landwirt*innen helfen, Carbon Farming in der Praxis umzusetzen. Viele dieser Initiativen und Unternehmen ermöglichen Partnerschaften zwischen Landwirt*innen und lokalen Unternehm*innen oder Verbraucher*innen.

Das junge Team von Klim ist sich sicher: Der Schlüssel zur Lösung des Klimawandels liegt in unseren Böden. Ihr Ansatz: Landwirtschaftsbetriebe bei der Umstellung auf Carbon Farming unterstützen und gleichzeitig Verbraucher *innen dazu befähigen, über ein Label für klimapositive Produkte Kaufentscheidungen zu treffen, die einen positiven Einfluss auf das Klima haben.

Die Initiative Climate Farmers weiß, dass sich die Landwirtschaft in Europa in einem großen Transitionsprozess befindet. Das sich verändernde Klima bedingt eine andere Bewirtschaftung unserer Böden. Climate Farmers will den Übergang in eine Landwirtschaftsform mit ermöglichen, die sowohl für die Landwirt*innen als auch für Ökosysteme, Klima und Gesellschaft von Vorteil ist.

Power to the Bauer

Die Macher von #wirstehendrauf wissen, dass die Umstellung der Landwirtschaft zum Wohle des Klimas langfristig nur mit der Unterstützung durch die das Land bewirtschaftenden Menschen gelingen kann. Unter dem Hashtag "wir stehen drauf" wird die Arbeit dieser Menschen in 24 Videoporträts gewürdigt und unterschiedliche Aspekte der nachhaltigen Landwirtschaft beleuchtet.

6 Video-Screenshots zeigen Situationen von Bauern im Gespräch mit Moderatorin
#wirstehndrauf erzählt die Geschichten von Landwirt*innen und deren nachhaltiger Landwirtschaftsweise

Mitmachen:

  • Social Media-Kanälen der Initiativen folgen und Videos von #wirstehndrauf teilen
  • Informiert bleiben und noch mehr Wissenswerte aus dem Film "Kiss the ground" entnehmen
  • nachhaltige Landwirtschaft durch den Kauf von Bioprodukten und regionalen/saisonalen Produkten stärken

Headerbild: ©jed owen / unsplash